Start Motorsport Großer Preis von Belgien 2020 – Vorschau

Großer Preis von Belgien 2020 – Vorschau

Formel 1 - Mercedes-AMG Petronas Motorsport, Großer Preis von Spanien 2020. Valtteri Bottas Foto: © Daimler AG

Der nächste Triple-Header der Saison 2020 führt die Formel 1 auf die legendäre Ardennenachterbahn von Spa-Francorchamps

Toto über Belgien

Spanien war das beste Beispiel für die Mentalität unseres Teams: wir haben unsere Probleme nach Silverstone analysiert und versucht, innerhalb weniger Tage die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Viele Leute arbeiteten unermüdlich dafür, dass wir in Barcelona ein besseres Rennen fahren konnten und unsere starke Performance am Sonntag war das Ergebnis dieses Einsatzes. Der Sieg in Spanien war eine fantastische Belohnung für all die clevere Arbeit in den Tagen zuvor. Es macht mich sehr stolz, zu sehen, wie das Team die Messlatte immer höher legt.

In der vergangenen Woche haben die anderen neun F1-Teams und wir dem neuen Concorde Agreement zugestimmt. Wir haben immer betont, dass wir in der Formel 1 bleiben möchten, entsprechend war das keine große Überraschung. Aber wir sind froh, dass wir die Gespräche positiv abschließen konnten. Wir haben uns dem Sport verschrieben und wir freuen uns auf die kommenden Jahre, in denen wir den größten Umbruch in der Geschichte der Formel 1 erleben werden. Dabei wird es auf agile, aufgeschlossene Teams ankommen, die sich erfolgreich an die Anforderungen der neuen Regeln anpassen können.

Nach einer Woche Pause geht es jetzt zum dritten Triple-Header des Jahres. Das nächste Rennen führt uns nach Spa, wo wir seit 2017 nicht gewinnen konnten. Es fühlt sich also an, als ob wir in Belgien noch eine Rechnung offen hätten. Spa ist eine Traditionsstrecke, die zu den Lieblingskursen der Fans gehört. Aufgrund der Vielzahl an Charakteristiken ist es aber nicht einfach, dort das richtige Setup zu finden. Einerseits wünscht man sich so wenig Luftwiderstand wie möglich auf den langen Geraden, andererseits braucht man ein gewisses Abtriebsniveau, um in den Kurven schnell zu sein. Die Wettervorhersage spricht zudem von Regen in den Ardennen, was die Aufgabe nicht einfacher macht.

An diesem Wochenende kehren wir zum ersten Mal seit dem tragischen Tod von Anthoine Hubert nach Belgien zurück. Das war ein schwarzer Tag für den Motorsport und unsere Gedanken sind bei seiner Familie und Freunden, wenn wir uns an diesem Wochenende an ihn erinnern werden.

Zahlen & Fakten: Belgien Grand Prix

  • Spa-Francorchamps ist mit 7,004 km die längste Strecke im Formel 1-Rennkalender. Der Kurs ist gut einen Kilometer länger als die zweitlängste Strecke in Baku (6,003 km).
  • Die Länge der Strecke führt dazu, dass der Große Preis von Belgien mit 44 Umläufen die niedrigste Rundenanzahl im gesamten Kalender aufweist. Die Renndistanz beträgt 308,5 km.
  • In der schnellen Kurve 10 (Pouhon) wirken Kräfte von 5,2g auf die Fahrer – der höchste Wert an seitlichen G-Kräften in der gesamten Saison.
  • Die F1-Fahrer bleiben vom Ausgang der ersten Kurve (La Source) bis zur Bremszone für Kurve 5 (Les Combes) auf dem Gaspedal. Das entspricht einer ununterbrochenen Vollgaspassage von beinahe 23 Sekunden respektive 1,875 Metern.
  • Der Weg von der Pole Position bis zur ersten Bremszone ist in Spa-Francorchamps mit 150,4 Metern einer der kürzesten in der gesamten Saison. Der längste Weg von der Pole bis zur zweiten Kurve in Sotschi ist mit 890,6 Metern beinahe sechs Mal länger.
  • Der Kurvenausgang in La Source ist einer der wichtigsten Abschnitte einer Runde. Verantwortlich dafür ist die folgende Volllastpassage. Das ist auf der Startrunde besonders entscheidend, wenn das Feld noch eng zusammenliegt und die Verfolger bis Les Combes vom Windschatten profitieren können.
  • Die F1-Fahrer absolvieren 77,9% einer Runde unter Volllast – der fünfthöchste Prozentwert der Saison.
  • Obwohl eine Runde in Spa die längste des Jahres ist, wechseln die Fahrer pro Umlauf nur 38 Mal die Gänge – einer der niedrigsten Werte in der Formel 1. Diese Zahl wirkt besonders niedrig, wenn man sie mit Monaco vergleicht, wo die Fahrer rund 50 Mal pro Runde schalten – auf einer Strecke, die weniger als halb so lang ist (3,337 km).
  • Der Hauptgrund für die relativ geringe Anzahl an Schaltvorgängen ist, dass ein Großteil der Runde im höchsten Gang gefahren wird. Zudem folgt ein Großteil der Kurven, für die geschaltet werden muss, dicht aufeinander, etwa von Kurve fünf bis sieben. Im Verlauf der 7,004 km langen Runde sind nur sechs Sätze an Gangwechseln nötig.
  • In Spa-Francorchamps erleben die Fahrer den größten Höhenunterschied in der Formel 1: zwischen dem höchsten und niedrigsten Punkt liegen rund 100 Meter. Der höchste Punkt ist der letzte Teil von Les Combes (Kurve 7), der niedrigste Stavelot (Kurve 15).
  • Die Ingenieure müssen in Spa eine gute Balance zwischen dem Abtriebsniveau und der Abstimmung des Autos finden. Der erste und der dritte Sektor weisen lange Geraden und Vollgaspassagen auf, der zweite Sektor ist hingegen verwinkelter. Im Mittelsektor ist somit ein größerer Flügel von Vorteil, dies sorgt jedoch dafür, dass man auf den Geraden anfälliger ist. Ein kleinerer Flügel bietet weniger Luftwiderstand auf den Geraden, bedeutet aber auch ein geringeres Grip-Niveau im zweiten Sektor.
  • Die lange Runde kann für die Fahrer und Teams in Spa unterschiedliche Herausforderungen bedeuten. Sollte ein Fahrzeug früh in der Runde beschädigt werden, ist es ein unglaublich langer Weg zurück bis an die Box. Das kann in diesem Zustand sehr viel Zeit kosten. Das gleiche gilt bei wechselhaften Wetterbedingungen, etwa beim Übergang von Regen- zu Trockenreifen. Wenn man die falsche Entscheidung trifft, muss man die gesamten 7,004 km auf dem langsameren Reifen zurücklegen, was sich als kostspielig erweisen kann. Auf der anderen Seite kann sich die richtige Entscheidung umso mehr auszahlen.
  • Das Wetter ist in Spa-Francorchamps traditionell unvorhersehbar. Aufgrund der langen Strecke ist es nicht ungewöhnlich, dass manche Streckenteile noch nass sind, während andere bereits trocken sind. Die Menge an Wasser auf der Strecke kann sich stark unterscheiden und erschwert die Strategie-Entscheidungen zusätzlich.